Geschichten, die man hören kann

Persönliche Liedbeispiele zum Anhören

Acht Songideen, acht vollständige Liedtexte und acht deutsche Songs zum Anhören.

Geschichte hinter dem Lied

Geburtstagslied für Mama: Samstags um halb neun

Anlass:
60. Geburtstag
Geschichte:
Von einer Tochter für ihre Mutter Sabine
Stil:
Warmer Akustik-Pop · weibliche Stimme

Zu Sabines 60. Geburtstag wollte ihre Tochter Nele kein Lied, das einfach nur Glück und Gesundheit aufzählt. In ihrer Geschichte schrieb sie von den Telefonaten am Samstagmorgen, die seit dem Auszug nie ausgefallen sind. Meist ruft Sabine um halb neun an und fragt erst nach dem Wetter, obwohl sie eigentlich wissen möchte, ob bei Nele alles in Ordnung ist.

Dazu kamen die rote Thermoskanne vom Fußballplatz, spontane Tänze in der Küche und Sabines Satz „Nimm erst mal einen Tee“, der in der Familie für fast jedes Problem gilt. Das Lied sollte dankbar klingen, aber nicht feierlich auf Abstand gehen. Deshalb erzählt es von den kleinen Gewohnheiten, an denen Nele ihre Mutter sofort erkennt.

Liedtext: Samstags um halb neun

[Verse 1] Samstag, halb neun, das Telefon wird laut Du fragst nach dem Wetter und ob der Himmel graut Ich weiß, was du meinst, auch wenn du es nicht sagst Ob ich genug schlafe und wie es mir heut geht Auf dem Fußballplatz die rote Kanne in der Hand Tee für eine ganze Mannschaft, Regen im Gesicht Du standest an der Linie, als wär das selbstverständlich Und hast beim Heimweg jedes Schweigen ausgehalten [Chorus] Sabine, du machst keinen großen Plan daraus Du stellst zwei Tassen hin und plötzlich wird es Haus Wenn alles viel zu schnell wird, rufst du einfach an Samstags um halb neun fängt manches wieder an [Verse 2] In deiner kleinen Küche lief das Radio zu laut Wir tanzten zwischen Tellern, keiner hat uns zugeschaut Und wenn die Welt zu schwer war für ein gutes Argument Sagtest du: Nimm erst mal einen Tee, dann sehen wir weiter Heute sind es sechzig Jahre, doch ich zähle lieber dies: Jeden abgeholten Kummer, jeden viel zu langen Brief Jede Jacke, die du mitnahmst, weil ich wieder keine trug Und dein Lachen, wenn ich sagte: Mama, jetzt ist es genug [Chorus] Sabine, du machst keinen großen Plan daraus Du stellst zwei Tassen hin und plötzlich wird es Haus Wenn alles viel zu schnell wird, rufst du einfach an Samstags um halb neun fängt manches wieder an [Bridge] Ich wünsch dir heute freie Tage Und Zeit für alles, was du magst Und Menschen, die auch dich mal fragen Wie es dir wirklich geht an diesem Tag [Outro] Samstag, halb neun, ich geh diesmal zuerst ran Alles Gute, Mama — und lass den Tee schon an

Geschichte hinter dem Lied

Geburtstagslied für Papa: „Passt schon“, sagt Thomas

Anlass:
65. Geburtstag
Geschichte:
Von einem Sohn für seinen Vater Thomas
Stil:
Leichter Folk-Rock · männliche Stimme

Thomas wird 65 und behauptet seit Wochen, er brauche wirklich nichts. Sein Sohn Lukas beschreibt deshalb nicht den „besten Papa der Welt“, sondern die Dinge, die bei ihnen tatsächlich hängen geblieben sind: das blaue Fahrrad, das dreimal repariert statt ersetzt wurde, schiefe Sonntagspfannkuchen und die Werkbank, an der zuerst gemessen und erst dann gesägt werden durfte.

Thomas redet selten lange über Gefühle. Wenn etwas schwierig wird, prüft er kurz die Schraube, schaut noch einmal hin und sagt: „Passt schon.“ Genau dieser knappe Satz wurde zum Refrain. Das Lied ist freundlich und trocken, mit etwas Folk-Rock statt großer Geburtstagsballade.

Liedtext: Passt schon, sagt Thomas

[Verse 1] Das blaue Fahrrad stand schon wieder ohne Licht Ich sagte: Kauf ein neues, doch du wolltest das noch nicht Zwei Kabel, eine Zange und ein Fluchen vor der Tür Eine Stunde später fuhr es — irgendwie dank dir An der Werkbank galt: Erst messen, dann erst sägen Ich hab trotzdem oft zu früh das Holz falsch angelegt Du hast nicht lang geschimpft, nur den Bleistift neu gespitzt Und mir gezeigt, wie man beim zweiten Mal genauer misst [Chorus] „Passt schon“, sagt Thomas, und zieht die Schraube fest Als wär das ganze Leben nur ein kleiner Härtetest Kein großes Wort, kein Feuerwerk, kein Rat für jedes Ziel Doch wenn es darauf ankam, warst du da — und das war viel [Verse 2] Sonntag gab es Pfannkuchen, der erste wurde schief Der zweite viel zu dunkel, weil das Telefon noch lief Wir aßen sie mit Zucker, du nanntest das Design Das letzte Stück blieb liegen, bis es irgendjemand nahm Fünfundsechzig Kerzen passen kaum auf einen Kuchen So viele könnten wir im ganzen Haus nicht unterbringen Drum heben wir die Gläser auf den Mann, der wenig spricht Der selten sagt: Ich hab dich lieb — und trotzdem meint er's gern [Chorus] „Passt schon“, sagt Thomas, und zieht die Schraube fest Als wär das ganze Leben nur ein kleiner Härtetest Kein großes Wort, kein Feuerwerk, kein Rat für jedes Ziel Doch wenn es darauf ankam, warst du da — und das war viel [Bridge] Heute musst du gar nichts richten Lass den Werkzeugkoffer zu Wir übernehmen Essen, Reden Und den Abwasch machst nicht du [Outro] Das blaue Fahrrad fährt noch immer Und wir stoßen auf dich an Alles Gute, Papa Thomas Weil man sich auf dich verlassen kann

Geschichte hinter dem Lied

Geburtstagslied für die beste Freundin: Der letzte Zug war weg

Anlass:
30. Geburtstag
Geschichte:
Von Kira für ihre beste Freundin Jana
Stil:
Heller Indie-Pop · weibliche Stimme

Kira und Jana kennen sich seit der Berufsschule. Für Janas 30. Geburtstag erinnerte Kira an eine Nacht in Köln, in der beide den letzten Zug verpassten. Sie teilten sich eine trockene Brezel, saßen bis zum Morgen auf ihren Jacken und beschlossen irgendwann, die Situation lieber lustig zu finden. Jana trug dabei ihren gelben Regenschirm, obwohl es unter dem Bahnhofsdach gar nicht regnete.

Später saßen sie oft um zwei Uhr nachts auf dem Küchenboden, wenn eine von beiden nicht wusste, wie es weitergeht. Das Lied sollte dieses unaufgeregte Dasein füreinander treffen: wenig perfekte Ratschläge, dafür jemand, der bleibt. Musikalisch passt deshalb heller Indie-Pop mit Bewegung statt einer langsamen Freundschaftsballade.

Liedtext: Der letzte Zug war weg

[Verse 1] Der letzte Zug war weg, der Bahnsteig fast schon leer Eine Brezel für uns beide, warm war sie nicht mehr Dein gelber Schirm war offen unter trockenem Beton Du sagtest: Wenn wir schon hier sind, machen wir das Beste davon Wir saßen auf den Jacken bis der erste Bäcker kam Erfanden für die Tauben einen viel zu langen Namen Um sechs Uhr fuhr die Bahn, wir sahen müde darin aus Und lachten noch in Deutz über den Umweg nach Haus [Chorus] Jana, wenn der letzte Zug schon weg ist Bleibst du sitzen, bis ein neuer fährt Du versprichst nicht, dass gleich alles gut wird Nur dass man den schlechten Abend nicht alleine trägt [Verse 2] Später auf dem Küchenboden, nachts um kurz nach zwei Du mit kaltem Apfelschorle, ich mit „Alles ist vorbei“ Du hattest keinen klugen Satz und das war ziemlich gut Du bliebst einfach neben mir, bis aus Panik wieder Mut Dreißig ist nur eine Zahl, sagst du, halb im Ernst, halb bang Ich schreib sie nicht in Goldschrift an den Anfang von dem Song Ich schreib den gelben Regenschirm und jeden Umweg rein Denn beste Freundinnen müssen nicht vernünftig sein [Chorus] Jana, wenn der letzte Zug schon weg ist Bleibst du sitzen, bis ein neuer fährt Du versprichst nicht, dass gleich alles gut wird Nur dass man den schlechten Abend nicht alleine trägt [Bridge] Auf alle Pläne, die wir ändern Auf jedes „Komm, wir gehen los“ Auf Küchenböden, frühe Züge Und auf dreißig — ziemlich groß [Outro] Der letzte Zug darf ruhig weg sein Solang du noch am Bahnsteig stehst Alles Gute, liebe Jana Schön, dass du die Umwege mitgehst

Geschichte hinter dem Lied

Lied zum 18. Geburtstag für die Tochter: Emilias rote Stiefel

Anlass:
18. Geburtstag
Geschichte:
Von den Eltern für ihre Tochter Emilia
Stil:
Moderner Pop · weibliche Stimme

Emilia wird 18 und beginnt im Herbst ihre Ausbildung in Leipzig. Ihre Eltern wollten kein Lied darüber schreiben, dass sie nun „erwachsen sein muss“. Stattdessen erzählten sie von ihrem ersten Schultag in roten Gummistiefeln, von Brotdosen ohne Rinde und davon, wie Emilia heute morgens um sieben selbst den Bus nimmt, während in ihrem Zimmer schon die ersten Umzugskartons stehen.

Die Geschichte enthält Stolz, aber auch die ehrliche Unsicherheit auf beiden Seiten. Emilia soll losgehen dürfen, ohne das Gefühl zu bekommen, ihre Eltern ließen sie nur widerwillig ziehen. Der Song blickt deshalb nach vorn und lässt die Haustür offen, ohne ein großes Abschiedslied daraus zu machen.

Liedtext: Mit roten Stiefeln los

[Verse 1] Am ersten Schultag rote Stiefel, obwohl die Sonne schien Der Ranzen war fast größer, doch du wolltest einfach hin Das Pausenbrot ganz ohne Rinde, Apfelsaft im kleinen Pack Du drehtest dich nur einmal um und winktest ziemlich knapp Heute fährt der Bus um sieben, du kennst jede Haltestell Auf dem Boden stehen Kisten, und der Sommer geht zu schnell Leipzig ist auf deinem Handy schon mit Sternen markiert Und wir üben, wie man loslässt, ohne dass man sich verliert [Chorus] Emilia, geh mit roten Stiefeln los Auch wenn längst kein Regen fällt Du musst nicht heute alles wissen Nur den nächsten Schritt in deine Welt Und wenn du nachts die Richtung änderst Bleibt bei uns ein Licht für dich Nicht damit du wieder umkehrst Nur damit du weißt: Wir sind da, wenn du uns brauchst [Verse 2] Achtzehn klingt nach großen Worten, Akten, Schlüsseln, eigenem Plan Doch man darf auch mit achtzehn sagen, dass man etwas gar nicht kann Du wirst Züge knapp verpassen, falsche Wohnungen besehn Und bei manchen guten Fragen erst viel später etwas verstehen Wir versprechen keine Antwort für den ganzen langen Weg Nur ein Sofa, warme Nudeln und ein Ohr, das dich versteht Dein Zimmer wird sich ändern, deine Tasse bleibt im Schrank Und für jeden neuen Anfang sind wir heute einfach dankbar [Chorus] Emilia, geh mit roten Stiefeln los Auch wenn längst kein Regen fällt Du musst nicht heute alles wissen Nur den nächsten Schritt in deine Welt Und wenn du nachts die Richtung änderst Bleibt bei uns ein Licht für dich Nicht damit du wieder umkehrst Nur damit du weißt: Vergessen wirst du nicht [Outro] Der Bus fährt morgen wieder sieben Heute feiern wir erst dich Achtzehn Jahre, rote Stiefel Und die Haustür schließt sich nicht

Geschichte hinter dem Lied

Persönliches Liebeslied für meinen Mann: Dienstag mit Daniel

Anlass:
10. Hochzeitstag
Geschichte:
Von Marie für ihren Mann Daniel
Stil:
Singer-Songwriter-Pop · weibliche Stimme

Marie und Daniel feiern ihren zehnten Hochzeitstag. In Maries Geschichte gab es keinen spektakulären Heiratsantrag und keine Fernreise. Sie schrieb über den kaputten Espressokocher, den Daniel seit Jahren reparieren will, über seine Schlüssel in der falschen Schale und über die Socken, die im Winter immer auf dem Heizkörper trocknen.

Das Entscheidende ist für Marie, dass selbst gewöhnliche Dienstage mit Daniel nicht leer wirken. Einmal im Jahr fahren beide an denselben kleinen See, nehmen zu viel Brot mit und lesen sich schlechte Überschriften vor. Der Song macht aus diesen Details keine perfekte Beziehung, sondern eine, die im Alltag ihren eigenen Takt gefunden hat.

Liedtext: Neben dir ist Dienstag gut

[Verse 1] Der Espressokocher pfeift seit Jahren etwas schief Du sagst, du reparierst ihn, wenn am Sonntag dafür Zeit ist Deine Schlüssel liegen wieder in der falschen Schale Ich finde sie am Morgen, weil ich inzwischen suchen kann Im Winter trocknen Socken auf dem alten Heizkörper Du öffnest nachts das Fenster, ich mach es später wieder zu Wir haben keine Ordnung, die in einen Ratgeber passt Doch dieser schiefe Alltag passt erstaunlich gut zu uns [Chorus] Neben dir ist Dienstag gut Kein besonderer Termin Nur zwei Teller, müde Fragen Und der Tee zieht vor sich hin Daniel, ich brauch kein Feuerwerk Das am nächsten Morgen fehlt Ich mag, wie unser kleines Leben Seine leisen Tage zählt [Verse 2] Einmal jedes Jahr derselbe See, derselbe schiefe Steg Viel zu viel Brot in einer Tasche, die im Gras danebenliegt Du liest mir schlechte Schlagzeilen mit ernster Stimme vor Ich lache schon beim ersten Wort und du beginnst von vorn Zehn Jahre sind nicht glatt gewesen, manches blieb zu lang im Raum Wir mussten öfter ehrlich werden als in irgendeinem Traum Doch wenn wir uns verlieren, finden wir uns meistens dort Bei einem halben Satz am Küchentisch, ganz ohne großes Wort [Chorus] Neben dir ist Dienstag gut Kein besonderer Termin Nur zwei Teller, müde Fragen Und der Tee zieht vor sich hin Daniel, ich brauch kein Feuerwerk Das am nächsten Morgen fehlt Ich mag, wie unser kleines Leben Seine leisen Tage zählt [Bridge] Lass den Kocher weiter pfeifen Leg die Schlüssel, wo du willst Solang du bei den schweren Fragen Nicht nur redest, sondern zuhörst [Outro] Zehn Jahre und ein Dienstag Mehr muss dieser Song nicht tun Neben dir ist Dienstag gut Und heute stoßen wir darauf an

Geschichte hinter dem Lied

Lied zum Hochzeitstag für meine Frau: Bücher und Basilikum

Anlass:
7. Hochzeitstag
Geschichte:
Von Ben für seine Frau Lea
Stil:
Warmer Pop · männliche Stimme

Ben lernte Lea in einer kleinen Buchhandlung kennen, weil beide nach demselben vergriffenen Roman fragten. Den Kassenbon vom ersten gemeinsamen Kaffee hat Lea noch heute in einer Schachtel. Sieben Jahre nach der Hochzeit wohnen beide mit zu vielen Büchern und zu wenig Platz für Leas Basilikumtöpfe zusammen.

Ben schrieb auch hinein, dass Lea am Ende jedes Urlaubs den Fahrplan übernimmt, weil er grundsätzlich die falsche Verbindung heraussucht. Das Lied zum Hochzeitstag sollte romantisch sein, aber nicht so klingen, als bestünde ihr Leben nur aus Jahrestagen. Es erzählt deshalb vom gemeinsamen Regal, vom Balkon und von ganz normalen Rückfahrten.

Liedtext: Zwischen Büchern und Basilikum

[Verse 1] Wir griffen nach demselben Buch im hintersten Regal Die Verkäuferin sagte: Ausverkauft, vielleicht ein andermal Du hattest noch den Kassenbon vom Kaffee nebenan Ich wusste nicht, dass so ein kleiner Zettel bleiben kann Heute stehen unsre Bücher zweireihig an der Wand Am Balkongeländer stehen deine Töpfe dicht an dicht Ich stell die Tassen irgendwo, du räumst sie später ein Und lässt mir auf der Fensterbank trotzdem noch etwas frei [Chorus] Lea, zwischen Büchern und Basilikum Ist aus zwei Wegen längst ein Zuhause geworden Nicht immer leise, nicht immer vernünftig Doch morgens finden wir uns wieder ohne große Worte Sieben Jahre, und ich wähle noch einmal Den Platz am Tisch und deine Hand in meiner Zwischen Büchern und Basilikum Bleibt unser kleines Durcheinander genau der richtige Ort [Verse 2] Am letzten Urlaubstag such ich die falsche Bahn heraus Du drehst den Plan herum und führst uns beide sicher nach Haus Ich trag den schweren Koffer und behaupte, das sei fair Du lachst und sagst: Beim nächsten Mal planst du gar nichts mehr Wir haben Pläne umgeschrieben, manche Wünsche vertagt Uns wegen offner Schranktüren mehr als nötig angeklagt Und immer wieder Platz gemacht, im Regal und im Kopf Für einen neuen Donnerstag und deinen Kräutertopf [Chorus] Lea, zwischen Büchern und Basilikum Ist aus zwei Wegen längst ein Zuhause geworden Nicht immer leise, nicht immer vernünftig Doch morgens finden wir uns wieder ohne große Worte Sieben Jahre, und ich wähle noch einmal Den Platz am Tisch und deine Hand in meiner Zwischen Büchern und Basilikum Wird unser kleines Durcheinander immer gemeinsamer [Bridge] Den alten Kassenbon behalten wir Nicht weil damals alles leichter war Sondern weil aus einem kurzen Kaffee Ein ziemlich gutes Leben kam [Outro] Lea, stell noch einen Topf ans Fenster Für ein bisschen Grün ist immer Raum Heute feiern wir sieben Jahre Und morgen räumen wir gemeinsam auf

Geschichte hinter dem Lied

Hochzeitslied für das Brautpaar: Nora und Elif sagen Ja

Anlass:
Hochzeit
Geschichte:
Von einer Freundin für Nora und Elif
Stil:
Feierlicher Akustik-Pop · weibliche Stimme

Nora und Elif lernten sich nicht auf einer großen Party kennen, sondern beim Umzug einer gemeinsamen Freundin. Nora beschriftete jede Kiste, Elif ignorierte die Etiketten und trug zuerst die Kaffeemaschine nach oben. Am Abend saßen beide mit zwei angeschlagenen Tassen auf dem Fensterbrett der noch leeren Wohnung.

Für die Hochzeit sammelte ihre Freundin Miriam außerdem die schief aufgehängte erste Lampe, gemeinsame Sonntagslisten und den Regenschauer beim Standesamtstermin. Das Lied sollte zur Feier passen, aber die beiden nicht in austauschbare Hochzeitssätze verwandeln. Deshalb beginnt es bei Umzugskartons und endet wieder bei den zwei alten Tassen.

Liedtext: Zwei Tassen auf dem Fensterbrett

[Verse 1] Auf jeder Kiste stand genau, was später drinnen war Nora schrieb mit schwarzem Stift, schön ordentlich und klar Elif trug die Kaffeemaschine als allererstes rauf Und klebte an die falsche Tür den Zettel „Küche“ drauf Am Abend war die Wohnung leer, die Arme ziemlich schwer Zwei Tassen auf dem Fensterbrett, viel mehr brauchte es nicht mehr Ihr kanntet euch seit Stunden, doch beim Abschied war schon klar Dass dieser Umzug vielleicht nicht nur für die Freundin war [Chorus] Nora und Elif sagen Ja Nicht zu einem Bild, das immer gerade hängt Sondern zu den Listen und den Umwegen Und zu dem Kaffee, den man einander bringt Nora und Elif sagen Ja Wenn es leicht wird und wenn etwas neu beginnt Zwei Tassen auf dem Fensterbrett Und ein Zuhause, das ihr miteinander baut [Verse 2] Die erste Lampe hing so schief, dass jeder Gast sie sah Ihr sagtet: Das bleibt Absicht, und dann blieb sie sieben Jahre da Am Sonntag schreibt ihr Listen, die am Montag keiner kennt Und kocht zu viel für zwei, weil immer jemand bei euch endet Beim Standesamt kam Regen quer, der Schirm gab viel zu früh auf Ihr standet nass im Hauseingang und lachtet einfach drauf Heute sind die Schuhe trocken, alle Freunde sind hier Und Miriam hebt ihr Glas und singt die nächste Zeile mit [Chorus] Nora und Elif sagen Ja Nicht zu einem Bild, das immer gerade hängt Sondern zu den Listen und den Umwegen Und zu dem Kaffee, den man einander bringt Nora und Elif sagen Ja Wenn es leicht ist und wenn Gegenwind beginnt Zwei Tassen auf dem Fensterbrett Und ein Zuhause, das ihr miteinander baut [Bridge] Hängt die Bilder, wie ihr wollt Schreibt die Pläne immer weiter Lasst für Freunde einen Stuhl Und für schwere Tage Zeit da [Outro] Die zwei alten Tassen stehen Heute vorne auf dem Tisch Nora und Elif sagen Ja Und wir sagen: Wir freuen uns für euch

Geschichte hinter dem Lied

Dankeslied für Oma: Helgas blaues Rezeptbuch

Anlass:
Dankeschön
Geschichte:
Von einem Enkel für seine Oma Helga
Stil:
Ruhige Akustik-Ballade · männliche Stimme

Felix wollte seiner Oma Helga nicht erst zu einem runden Geburtstag danken. In seiner Geschichte schrieb er über das blaue Rezeptbuch, in dem Mengenangaben wie „ein bisschen“ und „bis es stimmt“ stehen. Jeden Sommer kocht Helga Aprikosenmarmelade und behauptet, die Gläser seien nur zufällig genau dann fertig, wenn die Enkel zu Besuch kommen.

Früher stand Helga bei jeder Rückfahrt so lange am Bahnsteig, bis der Zug nicht mehr zu sehen war. Im Umschlag zum Geburtstag lag fast immer etwas Geld und der Satz, man solle es „für was Vernünftiges“ ausgeben. Das Lied ist ein ruhiges Dankeschön für diese unspektakulären Formen von Fürsorge.

Liedtext: Das blaue Rezeptbuch

[Verse 1] Im blauen Buch steht selten eine Zahl Nur „etwas Mehl“ und „rühren, bis es stimmt“ Ich fragte dich: Wie viel denn ungefähr? Du sagtest: Das merkt man, wenn man älter wird, mein Kind Im Sommer kochst du Aprikosen ein Die Küche warm, die Fenster ganz beschlagen Und rein zufällig sind die Gläser fertig An genau den Wochenenden, wenn wir zu dir fahren [Chorus] Oma Helga, dieses Lied ist nur ein Dankeschön Für all die kleinen Dinge, die nicht in Kalendern stehen Für ein volles Glas im Rucksack und dein Winken hinterm Zug Für den Satz „Nimm lieber noch was mit“, denn eins war nie genug [Verse 2] Am Bahnsteig bliebst du stehen bis zum Schluss Auch wenn der Zug längst hinter Häusern war Im Umschlag lag dann Geld für „was Vernünftiges“ Und eine Karte, jedes Jahr in deiner blauen Schrift Ich kaufte manches Unvernünftige davon Ein altes Rad, Konzertkarten und Kuchen Doch deinen Satz hab ich bis heute aufgehoben Wie die kleinen Zettel zwischen deinen Rezeptbuchseiten [Chorus] Oma Helga, dieses Lied ist nur ein Dankeschön Für all die kleinen Dinge, die nicht in Kalendern stehen Für ein volles Glas im Rucksack und dein Winken hinterm Zug Für den Satz „Nimm lieber noch was mit“, denn eins war nie genug [Bridge] Ich kann die Mengen noch nicht schätzen Und frag beim Kochen viel zu viel Doch wenn der Teig am Löffel hängen bleibt Dann weiß ich langsam, was „bis es stimmt“ wohl heißt [Outro] Das blaue Buch liegt auf dem Tisch Ein leeres Glas steht schon bereit Danke, Oma Helga Für all die Zeit, die du uns schenkst