Acht Songideen, acht vollständige Liedtexte und acht deutsche Songs zum Anhören.
Geschichte hinter dem Lied
Geburtstagslied für Mama: Samstags um halb neun
Anlass:
60. Geburtstag
Geschichte:
Von einer Tochter für ihre Mutter Sabine
Stil:
Warmer Akustik-Pop · weibliche Stimme
Zu Sabines 60. Geburtstag wollte ihre Tochter Nele kein Lied, das einfach nur Glück und Gesundheit aufzählt. In ihrer Geschichte schrieb sie von den Telefonaten am Samstagmorgen, die seit dem Auszug nie ausgefallen sind. Meist ruft Sabine um halb neun an und fragt erst nach dem Wetter, obwohl sie eigentlich wissen möchte, ob bei Nele alles in Ordnung ist.
Dazu kamen die rote Thermoskanne vom Fußballplatz, spontane Tänze in der Küche und Sabines Satz „Nimm erst mal einen Tee“, der in der Familie für fast jedes Problem gilt. Das Lied sollte dankbar klingen, aber nicht feierlich auf Abstand gehen. Deshalb erzählt es von den kleinen Gewohnheiten, an denen Nele ihre Mutter sofort erkennt.
Liedtext: Samstags um halb neun
[Verse 1]
Samstag, halb neun, das Telefon wird laut
Du fragst nach dem Wetter und ob der Himmel graut
Ich weiß, was du meinst, auch wenn du es nicht sagst
Ob ich genug schlafe und wie es mir heut geht
Auf dem Fußballplatz die rote Kanne in der Hand
Tee für eine ganze Mannschaft, Regen im Gesicht
Du standest an der Linie, als wär das selbstverständlich
Und hast beim Heimweg jedes Schweigen ausgehalten
[Chorus]
Sabine, du machst keinen großen Plan daraus
Du stellst zwei Tassen hin und plötzlich wird es Haus
Wenn alles viel zu schnell wird, rufst du einfach an
Samstags um halb neun fängt manches wieder an
[Verse 2]
In deiner kleinen Küche lief das Radio zu laut
Wir tanzten zwischen Tellern, keiner hat uns zugeschaut
Und wenn die Welt zu schwer war für ein gutes Argument
Sagtest du: Nimm erst mal einen Tee, dann sehen wir weiter
Heute sind es sechzig Jahre, doch ich zähle lieber dies:
Jeden abgeholten Kummer, jeden viel zu langen Brief
Jede Jacke, die du mitnahmst, weil ich wieder keine trug
Und dein Lachen, wenn ich sagte: Mama, jetzt ist es genug
[Chorus]
Sabine, du machst keinen großen Plan daraus
Du stellst zwei Tassen hin und plötzlich wird es Haus
Wenn alles viel zu schnell wird, rufst du einfach an
Samstags um halb neun fängt manches wieder an
[Bridge]
Ich wünsch dir heute freie Tage
Und Zeit für alles, was du magst
Und Menschen, die auch dich mal fragen
Wie es dir wirklich geht an diesem Tag
[Outro]
Samstag, halb neun, ich geh diesmal zuerst ran
Alles Gute, Mama — und lass den Tee schon an
Geschichte hinter dem Lied
Geburtstagslied für Papa: „Passt schon“, sagt Thomas
Anlass:
65. Geburtstag
Geschichte:
Von einem Sohn für seinen Vater Thomas
Stil:
Leichter Folk-Rock · männliche Stimme
Thomas wird 65 und behauptet seit Wochen, er brauche wirklich nichts. Sein Sohn Lukas beschreibt deshalb nicht den „besten Papa der Welt“, sondern die Dinge, die bei ihnen tatsächlich hängen geblieben sind: das blaue Fahrrad, das dreimal repariert statt ersetzt wurde, schiefe Sonntagspfannkuchen und die Werkbank, an der zuerst gemessen und erst dann gesägt werden durfte.
Thomas redet selten lange über Gefühle. Wenn etwas schwierig wird, prüft er kurz die Schraube, schaut noch einmal hin und sagt: „Passt schon.“ Genau dieser knappe Satz wurde zum Refrain. Das Lied ist freundlich und trocken, mit etwas Folk-Rock statt großer Geburtstagsballade.
Liedtext: Passt schon, sagt Thomas
[Verse 1]
Das blaue Fahrrad stand schon wieder ohne Licht
Ich sagte: Kauf ein neues, doch du wolltest das noch nicht
Zwei Kabel, eine Zange und ein Fluchen vor der Tür
Eine Stunde später fuhr es — irgendwie dank dir
An der Werkbank galt: Erst messen, dann erst sägen
Ich hab trotzdem oft zu früh das Holz falsch angelegt
Du hast nicht lang geschimpft, nur den Bleistift neu gespitzt
Und mir gezeigt, wie man beim zweiten Mal genauer misst
[Chorus]
„Passt schon“, sagt Thomas, und zieht die Schraube fest
Als wär das ganze Leben nur ein kleiner Härtetest
Kein großes Wort, kein Feuerwerk, kein Rat für jedes Ziel
Doch wenn es darauf ankam, warst du da — und das war viel
[Verse 2]
Sonntag gab es Pfannkuchen, der erste wurde schief
Der zweite viel zu dunkel, weil das Telefon noch lief
Wir aßen sie mit Zucker, du nanntest das Design
Das letzte Stück blieb liegen, bis es irgendjemand nahm
Fünfundsechzig Kerzen passen kaum auf einen Kuchen
So viele könnten wir im ganzen Haus nicht unterbringen
Drum heben wir die Gläser auf den Mann, der wenig spricht
Der selten sagt: Ich hab dich lieb — und trotzdem meint er's gern
[Chorus]
„Passt schon“, sagt Thomas, und zieht die Schraube fest
Als wär das ganze Leben nur ein kleiner Härtetest
Kein großes Wort, kein Feuerwerk, kein Rat für jedes Ziel
Doch wenn es darauf ankam, warst du da — und das war viel
[Bridge]
Heute musst du gar nichts richten
Lass den Werkzeugkoffer zu
Wir übernehmen Essen, Reden
Und den Abwasch machst nicht du
[Outro]
Das blaue Fahrrad fährt noch immer
Und wir stoßen auf dich an
Alles Gute, Papa Thomas
Weil man sich auf dich verlassen kann
Geschichte hinter dem Lied
Geburtstagslied für die beste Freundin: Der letzte Zug war weg
Anlass:
30. Geburtstag
Geschichte:
Von Kira für ihre beste Freundin Jana
Stil:
Heller Indie-Pop · weibliche Stimme
Kira und Jana kennen sich seit der Berufsschule. Für Janas 30. Geburtstag erinnerte Kira an eine Nacht in Köln, in der beide den letzten Zug verpassten. Sie teilten sich eine trockene Brezel, saßen bis zum Morgen auf ihren Jacken und beschlossen irgendwann, die Situation lieber lustig zu finden. Jana trug dabei ihren gelben Regenschirm, obwohl es unter dem Bahnhofsdach gar nicht regnete.
Später saßen sie oft um zwei Uhr nachts auf dem Küchenboden, wenn eine von beiden nicht wusste, wie es weitergeht. Das Lied sollte dieses unaufgeregte Dasein füreinander treffen: wenig perfekte Ratschläge, dafür jemand, der bleibt. Musikalisch passt deshalb heller Indie-Pop mit Bewegung statt einer langsamen Freundschaftsballade.
Liedtext: Der letzte Zug war weg
[Verse 1]
Der letzte Zug war weg, der Bahnsteig fast schon leer
Eine Brezel für uns beide, warm war sie nicht mehr
Dein gelber Schirm war offen unter trockenem Beton
Du sagtest: Wenn wir schon hier sind, machen wir das Beste davon
Wir saßen auf den Jacken bis der erste Bäcker kam
Erfanden für die Tauben einen viel zu langen Namen
Um sechs Uhr fuhr die Bahn, wir sahen müde darin aus
Und lachten noch in Deutz über den Umweg nach Haus
[Chorus]
Jana, wenn der letzte Zug schon weg ist
Bleibst du sitzen, bis ein neuer fährt
Du versprichst nicht, dass gleich alles gut wird
Nur dass man den schlechten Abend nicht alleine trägt
[Verse 2]
Später auf dem Küchenboden, nachts um kurz nach zwei
Du mit kaltem Apfelschorle, ich mit „Alles ist vorbei“
Du hattest keinen klugen Satz und das war ziemlich gut
Du bliebst einfach neben mir, bis aus Panik wieder Mut
Dreißig ist nur eine Zahl, sagst du, halb im Ernst, halb bang
Ich schreib sie nicht in Goldschrift an den Anfang von dem Song
Ich schreib den gelben Regenschirm und jeden Umweg rein
Denn beste Freundinnen müssen nicht vernünftig sein
[Chorus]
Jana, wenn der letzte Zug schon weg ist
Bleibst du sitzen, bis ein neuer fährt
Du versprichst nicht, dass gleich alles gut wird
Nur dass man den schlechten Abend nicht alleine trägt
[Bridge]
Auf alle Pläne, die wir ändern
Auf jedes „Komm, wir gehen los“
Auf Küchenböden, frühe Züge
Und auf dreißig — ziemlich groß
[Outro]
Der letzte Zug darf ruhig weg sein
Solang du noch am Bahnsteig stehst
Alles Gute, liebe Jana
Schön, dass du die Umwege mitgehst
Geschichte hinter dem Lied
Lied zum 18. Geburtstag für die Tochter: Emilias rote Stiefel
Anlass:
18. Geburtstag
Geschichte:
Von den Eltern für ihre Tochter Emilia
Stil:
Moderner Pop · weibliche Stimme
Emilia wird 18 und beginnt im Herbst ihre Ausbildung in Leipzig. Ihre Eltern wollten kein Lied darüber schreiben, dass sie nun „erwachsen sein muss“. Stattdessen erzählten sie von ihrem ersten Schultag in roten Gummistiefeln, von Brotdosen ohne Rinde und davon, wie Emilia heute morgens um sieben selbst den Bus nimmt, während in ihrem Zimmer schon die ersten Umzugskartons stehen.
Die Geschichte enthält Stolz, aber auch die ehrliche Unsicherheit auf beiden Seiten. Emilia soll losgehen dürfen, ohne das Gefühl zu bekommen, ihre Eltern ließen sie nur widerwillig ziehen. Der Song blickt deshalb nach vorn und lässt die Haustür offen, ohne ein großes Abschiedslied daraus zu machen.
Liedtext: Mit roten Stiefeln los
[Verse 1]
Am ersten Schultag rote Stiefel, obwohl die Sonne schien
Der Ranzen war fast größer, doch du wolltest einfach hin
Das Pausenbrot ganz ohne Rinde, Apfelsaft im kleinen Pack
Du drehtest dich nur einmal um und winktest ziemlich knapp
Heute fährt der Bus um sieben, du kennst jede Haltestell
Auf dem Boden stehen Kisten, und der Sommer geht zu schnell
Leipzig ist auf deinem Handy schon mit Sternen markiert
Und wir üben, wie man loslässt, ohne dass man sich verliert
[Chorus]
Emilia, geh mit roten Stiefeln los
Auch wenn längst kein Regen fällt
Du musst nicht heute alles wissen
Nur den nächsten Schritt in deine Welt
Und wenn du nachts die Richtung änderst
Bleibt bei uns ein Licht für dich
Nicht damit du wieder umkehrst
Nur damit du weißt: Wir sind da, wenn du uns brauchst
[Verse 2]
Achtzehn klingt nach großen Worten, Akten, Schlüsseln, eigenem Plan
Doch man darf auch mit achtzehn sagen, dass man etwas gar nicht kann
Du wirst Züge knapp verpassen, falsche Wohnungen besehn
Und bei manchen guten Fragen erst viel später etwas verstehen
Wir versprechen keine Antwort für den ganzen langen Weg
Nur ein Sofa, warme Nudeln und ein Ohr, das dich versteht
Dein Zimmer wird sich ändern, deine Tasse bleibt im Schrank
Und für jeden neuen Anfang sind wir heute einfach dankbar
[Chorus]
Emilia, geh mit roten Stiefeln los
Auch wenn längst kein Regen fällt
Du musst nicht heute alles wissen
Nur den nächsten Schritt in deine Welt
Und wenn du nachts die Richtung änderst
Bleibt bei uns ein Licht für dich
Nicht damit du wieder umkehrst
Nur damit du weißt: Vergessen wirst du nicht
[Outro]
Der Bus fährt morgen wieder sieben
Heute feiern wir erst dich
Achtzehn Jahre, rote Stiefel
Und die Haustür schließt sich nicht
Geschichte hinter dem Lied
Persönliches Liebeslied für meinen Mann: Dienstag mit Daniel
Anlass:
10. Hochzeitstag
Geschichte:
Von Marie für ihren Mann Daniel
Stil:
Singer-Songwriter-Pop · weibliche Stimme
Marie und Daniel feiern ihren zehnten Hochzeitstag. In Maries Geschichte gab es keinen spektakulären Heiratsantrag und keine Fernreise. Sie schrieb über den kaputten Espressokocher, den Daniel seit Jahren reparieren will, über seine Schlüssel in der falschen Schale und über die Socken, die im Winter immer auf dem Heizkörper trocknen.
Das Entscheidende ist für Marie, dass selbst gewöhnliche Dienstage mit Daniel nicht leer wirken. Einmal im Jahr fahren beide an denselben kleinen See, nehmen zu viel Brot mit und lesen sich schlechte Überschriften vor. Der Song macht aus diesen Details keine perfekte Beziehung, sondern eine, die im Alltag ihren eigenen Takt gefunden hat.
Liedtext: Neben dir ist Dienstag gut
[Verse 1]
Der Espressokocher pfeift seit Jahren etwas schief
Du sagst, du reparierst ihn, wenn am Sonntag dafür Zeit ist
Deine Schlüssel liegen wieder in der falschen Schale
Ich finde sie am Morgen, weil ich inzwischen suchen kann
Im Winter trocknen Socken auf dem alten Heizkörper
Du öffnest nachts das Fenster, ich mach es später wieder zu
Wir haben keine Ordnung, die in einen Ratgeber passt
Doch dieser schiefe Alltag passt erstaunlich gut zu uns
[Chorus]
Neben dir ist Dienstag gut
Kein besonderer Termin
Nur zwei Teller, müde Fragen
Und der Tee zieht vor sich hin
Daniel, ich brauch kein Feuerwerk
Das am nächsten Morgen fehlt
Ich mag, wie unser kleines Leben
Seine leisen Tage zählt
[Verse 2]
Einmal jedes Jahr derselbe See, derselbe schiefe Steg
Viel zu viel Brot in einer Tasche, die im Gras danebenliegt
Du liest mir schlechte Schlagzeilen mit ernster Stimme vor
Ich lache schon beim ersten Wort und du beginnst von vorn
Zehn Jahre sind nicht glatt gewesen, manches blieb zu lang im Raum
Wir mussten öfter ehrlich werden als in irgendeinem Traum
Doch wenn wir uns verlieren, finden wir uns meistens dort
Bei einem halben Satz am Küchentisch, ganz ohne großes Wort
[Chorus]
Neben dir ist Dienstag gut
Kein besonderer Termin
Nur zwei Teller, müde Fragen
Und der Tee zieht vor sich hin
Daniel, ich brauch kein Feuerwerk
Das am nächsten Morgen fehlt
Ich mag, wie unser kleines Leben
Seine leisen Tage zählt
[Bridge]
Lass den Kocher weiter pfeifen
Leg die Schlüssel, wo du willst
Solang du bei den schweren Fragen
Nicht nur redest, sondern zuhörst
[Outro]
Zehn Jahre und ein Dienstag
Mehr muss dieser Song nicht tun
Neben dir ist Dienstag gut
Und heute stoßen wir darauf an
Geschichte hinter dem Lied
Lied zum Hochzeitstag für meine Frau: Bücher und Basilikum
Anlass:
7. Hochzeitstag
Geschichte:
Von Ben für seine Frau Lea
Stil:
Warmer Pop · männliche Stimme
Ben lernte Lea in einer kleinen Buchhandlung kennen, weil beide nach demselben vergriffenen Roman fragten. Den Kassenbon vom ersten gemeinsamen Kaffee hat Lea noch heute in einer Schachtel. Sieben Jahre nach der Hochzeit wohnen beide mit zu vielen Büchern und zu wenig Platz für Leas Basilikumtöpfe zusammen.
Ben schrieb auch hinein, dass Lea am Ende jedes Urlaubs den Fahrplan übernimmt, weil er grundsätzlich die falsche Verbindung heraussucht. Das Lied zum Hochzeitstag sollte romantisch sein, aber nicht so klingen, als bestünde ihr Leben nur aus Jahrestagen. Es erzählt deshalb vom gemeinsamen Regal, vom Balkon und von ganz normalen Rückfahrten.
Liedtext: Zwischen Büchern und Basilikum
[Verse 1]
Wir griffen nach demselben Buch im hintersten Regal
Die Verkäuferin sagte: Ausverkauft, vielleicht ein andermal
Du hattest noch den Kassenbon vom Kaffee nebenan
Ich wusste nicht, dass so ein kleiner Zettel bleiben kann
Heute stehen unsre Bücher zweireihig an der Wand
Am Balkongeländer stehen deine Töpfe dicht an dicht
Ich stell die Tassen irgendwo, du räumst sie später ein
Und lässt mir auf der Fensterbank trotzdem noch etwas frei
[Chorus]
Lea, zwischen Büchern und Basilikum
Ist aus zwei Wegen längst ein Zuhause geworden
Nicht immer leise, nicht immer vernünftig
Doch morgens finden wir uns wieder ohne große Worte
Sieben Jahre, und ich wähle noch einmal
Den Platz am Tisch und deine Hand in meiner
Zwischen Büchern und Basilikum
Bleibt unser kleines Durcheinander genau der richtige Ort
[Verse 2]
Am letzten Urlaubstag such ich die falsche Bahn heraus
Du drehst den Plan herum und führst uns beide sicher nach Haus
Ich trag den schweren Koffer und behaupte, das sei fair
Du lachst und sagst: Beim nächsten Mal planst du gar nichts mehr
Wir haben Pläne umgeschrieben, manche Wünsche vertagt
Uns wegen offner Schranktüren mehr als nötig angeklagt
Und immer wieder Platz gemacht, im Regal und im Kopf
Für einen neuen Donnerstag und deinen Kräutertopf
[Chorus]
Lea, zwischen Büchern und Basilikum
Ist aus zwei Wegen längst ein Zuhause geworden
Nicht immer leise, nicht immer vernünftig
Doch morgens finden wir uns wieder ohne große Worte
Sieben Jahre, und ich wähle noch einmal
Den Platz am Tisch und deine Hand in meiner
Zwischen Büchern und Basilikum
Wird unser kleines Durcheinander immer gemeinsamer
[Bridge]
Den alten Kassenbon behalten wir
Nicht weil damals alles leichter war
Sondern weil aus einem kurzen Kaffee
Ein ziemlich gutes Leben kam
[Outro]
Lea, stell noch einen Topf ans Fenster
Für ein bisschen Grün ist immer Raum
Heute feiern wir sieben Jahre
Und morgen räumen wir gemeinsam auf
Geschichte hinter dem Lied
Hochzeitslied für das Brautpaar: Nora und Elif sagen Ja
Anlass:
Hochzeit
Geschichte:
Von einer Freundin für Nora und Elif
Stil:
Feierlicher Akustik-Pop · weibliche Stimme
Nora und Elif lernten sich nicht auf einer großen Party kennen, sondern beim Umzug einer gemeinsamen Freundin. Nora beschriftete jede Kiste, Elif ignorierte die Etiketten und trug zuerst die Kaffeemaschine nach oben. Am Abend saßen beide mit zwei angeschlagenen Tassen auf dem Fensterbrett der noch leeren Wohnung.
Für die Hochzeit sammelte ihre Freundin Miriam außerdem die schief aufgehängte erste Lampe, gemeinsame Sonntagslisten und den Regenschauer beim Standesamtstermin. Das Lied sollte zur Feier passen, aber die beiden nicht in austauschbare Hochzeitssätze verwandeln. Deshalb beginnt es bei Umzugskartons und endet wieder bei den zwei alten Tassen.
Liedtext: Zwei Tassen auf dem Fensterbrett
[Verse 1]
Auf jeder Kiste stand genau, was später drinnen war
Nora schrieb mit schwarzem Stift, schön ordentlich und klar
Elif trug die Kaffeemaschine als allererstes rauf
Und klebte an die falsche Tür den Zettel „Küche“ drauf
Am Abend war die Wohnung leer, die Arme ziemlich schwer
Zwei Tassen auf dem Fensterbrett, viel mehr brauchte es nicht mehr
Ihr kanntet euch seit Stunden, doch beim Abschied war schon klar
Dass dieser Umzug vielleicht nicht nur für die Freundin war
[Chorus]
Nora und Elif sagen Ja
Nicht zu einem Bild, das immer gerade hängt
Sondern zu den Listen und den Umwegen
Und zu dem Kaffee, den man einander bringt
Nora und Elif sagen Ja
Wenn es leicht wird und wenn etwas neu beginnt
Zwei Tassen auf dem Fensterbrett
Und ein Zuhause, das ihr miteinander baut
[Verse 2]
Die erste Lampe hing so schief, dass jeder Gast sie sah
Ihr sagtet: Das bleibt Absicht, und dann blieb sie sieben Jahre da
Am Sonntag schreibt ihr Listen, die am Montag keiner kennt
Und kocht zu viel für zwei, weil immer jemand bei euch endet
Beim Standesamt kam Regen quer, der Schirm gab viel zu früh auf
Ihr standet nass im Hauseingang und lachtet einfach drauf
Heute sind die Schuhe trocken, alle Freunde sind hier
Und Miriam hebt ihr Glas und singt die nächste Zeile mit
[Chorus]
Nora und Elif sagen Ja
Nicht zu einem Bild, das immer gerade hängt
Sondern zu den Listen und den Umwegen
Und zu dem Kaffee, den man einander bringt
Nora und Elif sagen Ja
Wenn es leicht ist und wenn Gegenwind beginnt
Zwei Tassen auf dem Fensterbrett
Und ein Zuhause, das ihr miteinander baut
[Bridge]
Hängt die Bilder, wie ihr wollt
Schreibt die Pläne immer weiter
Lasst für Freunde einen Stuhl
Und für schwere Tage Zeit da
[Outro]
Die zwei alten Tassen stehen
Heute vorne auf dem Tisch
Nora und Elif sagen Ja
Und wir sagen: Wir freuen uns für euch
Geschichte hinter dem Lied
Dankeslied für Oma: Helgas blaues Rezeptbuch
Anlass:
Dankeschön
Geschichte:
Von einem Enkel für seine Oma Helga
Stil:
Ruhige Akustik-Ballade · männliche Stimme
Felix wollte seiner Oma Helga nicht erst zu einem runden Geburtstag danken. In seiner Geschichte schrieb er über das blaue Rezeptbuch, in dem Mengenangaben wie „ein bisschen“ und „bis es stimmt“ stehen. Jeden Sommer kocht Helga Aprikosenmarmelade und behauptet, die Gläser seien nur zufällig genau dann fertig, wenn die Enkel zu Besuch kommen.
Früher stand Helga bei jeder Rückfahrt so lange am Bahnsteig, bis der Zug nicht mehr zu sehen war. Im Umschlag zum Geburtstag lag fast immer etwas Geld und der Satz, man solle es „für was Vernünftiges“ ausgeben. Das Lied ist ein ruhiges Dankeschön für diese unspektakulären Formen von Fürsorge.
Liedtext: Das blaue Rezeptbuch
[Verse 1]
Im blauen Buch steht selten eine Zahl
Nur „etwas Mehl“ und „rühren, bis es stimmt“
Ich fragte dich: Wie viel denn ungefähr?
Du sagtest: Das merkt man, wenn man älter wird, mein Kind
Im Sommer kochst du Aprikosen ein
Die Küche warm, die Fenster ganz beschlagen
Und rein zufällig sind die Gläser fertig
An genau den Wochenenden, wenn wir zu dir fahren
[Chorus]
Oma Helga, dieses Lied ist nur ein Dankeschön
Für all die kleinen Dinge, die nicht in Kalendern stehen
Für ein volles Glas im Rucksack und dein Winken hinterm Zug
Für den Satz „Nimm lieber noch was mit“, denn eins war nie genug
[Verse 2]
Am Bahnsteig bliebst du stehen bis zum Schluss
Auch wenn der Zug längst hinter Häusern war
Im Umschlag lag dann Geld für „was Vernünftiges“
Und eine Karte, jedes Jahr in deiner blauen Schrift
Ich kaufte manches Unvernünftige davon
Ein altes Rad, Konzertkarten und Kuchen
Doch deinen Satz hab ich bis heute aufgehoben
Wie die kleinen Zettel zwischen deinen Rezeptbuchseiten
[Chorus]
Oma Helga, dieses Lied ist nur ein Dankeschön
Für all die kleinen Dinge, die nicht in Kalendern stehen
Für ein volles Glas im Rucksack und dein Winken hinterm Zug
Für den Satz „Nimm lieber noch was mit“, denn eins war nie genug
[Bridge]
Ich kann die Mengen noch nicht schätzen
Und frag beim Kochen viel zu viel
Doch wenn der Teig am Löffel hängen bleibt
Dann weiß ich langsam, was „bis es stimmt“ wohl heißt
[Outro]
Das blaue Buch liegt auf dem Tisch
Ein leeres Glas steht schon bereit
Danke, Oma Helga
Für all die Zeit, die du uns schenkst